Labor für angewandte Zukünfte
Zukunft geschieht nicht – sie wird gemacht. Diese scheinbar einfache Einsicht markiert eine Verschiebung: Weg vom passiven Erwartungshorizont hin zur aktiven Gestaltungsaufgabe. Das Design Futures Lab begreift Zukunft nicht als Prognose, sondern als Praxis – als ein sozialer, narrativer und ästhetischer Raum, in dem Hypothesen lebendig werden. Deshalb sprechen wir auch von einem “Labor für angewandte Zukünfte”.
Das Labor ist weder Planspiel noch spekulative Intervention, sondern eine hybride Form: eine experimentelle Bühne, auf der Zukunft als kollektives Handeln, als Regelwerk und als soziale Fiktion erprobt wird.
Im Unterschied zu analytischen Zukunftswerkstätten geht es hier nicht darum, plausible Szenarien zu formulieren, sondern mögliche Ordnungen zu erleben. Das Labor führt Menschen in ein Spannungsfeld zwischen Spekulation und Struktur, zwischen Vorstellungskraft und Governance. Es ist ein Ort, an dem Zukunft „begegnet“ wird – durch Gestaltung, durch Spiel, durch Regelbruch.
Das Design Futures Lab ist der Ort, an dem (gute) Ideen lernen müssen, mit ihren Nebenwirkungen zu leben. Im Lab zeigen sich nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Zielkonflikte, Machtverschiebungen und unbequeme Konsequenzen.
Gerade dort entsteht Erkenntnis – nicht, weil alles funktioniert, sondern weil sichtbar wird, was es kostet.
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Manifest
Wir glauben nicht an Zukunftsprognosen.
Wir glauben an Zukunftsverständnis durch Handlung.Zukunft entsteht nicht im Vorhersagen,
sondern dort, wo Regeln, Entscheidungen und Konsequenzen verhandelbar werden.Wir gestalten keine Produkte.
Wir gestalten Möglichkeitsräume.Wir spielen nicht, um zu entkommen.
Wir spielen, um Komplexität auszuhalten, Perspektiven zu wechseln und Entscheidungen erfahrbar zu machen.Wir arbeiten mit Regeln, weil Regeln Wirklichkeit erzeugen.
Wir prüfen sie, verändern sie, verwerfen sie – nicht aus Lust am Bruch, sondern aus Verantwortung für ihre Wirkung.Wir entwerfen spekulative Welten, um uns selbst darin zu befragen: als Gestaltende, als Entscheidende, als Teil von Systemen.
Das Design Futures Lab ist kein Ort.
Es ist eine Haltung: zwischen Imagination und Verantwortung, zwischen Spielraum und Ernstfall.Hier darf Zukunft scheitern, damit Gegenwart lernfähig bleibt.
Wir verstehen Design als ethische Praxis in Bewegung.
Spiel als Forschung.
Fiktion als Werkzeug, um Wirklichkeit zu prüfen.Wir gestalten Prozesse, keine Versprechen.
Wir prüfen Wirkungen, nicht Visionen.
Zukunft bleibt gestaltbar, weil sie verhandelbar bleibt. -
Wann macht das Design Futures Lab Sinn?
Das Design Futures Lab ist dann sinnvoll, wenn Entscheidungen anstehen, deren Folgen sich nicht vollständig überblicken lassen.
Zum Beispiel:
wenn neue Regeln, Strategien oder Strukturen entwickelt werden sollen
wenn unterschiedliche Perspektiven, Interessen oder Logiken aufeinandertreffen
wenn gute Absichten nicht automatisch zu guten Wirkungen führen
wenn klassische Workshops zu kurz greifen
wenn Zukunft nicht nur gedacht, sondern getestet werden muss
Das DFL hilft dort, wo Komplexität nicht reduziert, sondern bearbeitbar werden soll.
Nicht, indem Antworten vorgegeben werden, sondern indem Entscheidungsräume geöffnet,
Konsequenzen sichtbar und Verantwortung konkret gemacht werden. -
Das Design Futures Lab erzeugt keine schnellen Lösungen.
Aber es verändert, wie Entscheidungen getroffen werden.Typische Effekte:
blinde Flecken werden sichtbar
implizite Machtverhältnisse tauchen auf
Annahmen verlieren ihre Selbstverständlichkeit
Verantwortung wird konkret
Entscheidungen werden robuster, weil sie getestet wurden
Nicht, weil alles geklärt ist.
Sondern weil das Wesentliche verhandelbar geworden ist.